David Klass im Gespräch
Sehe ich das richtig, dass Sie mit »Feuerquell« und »Wirbelsturm« Bücher im Genre Fantasy/Science Fiction geschrieben haben? Das wäre ja etwas ganz anderes als Ihre vorherigen Bücher. Was hat Sie veranlasst, in diese Richtung zu gehen?
David Klass: Klar, da ist schon ein Unterschied. Doch möchte ich betonen, dass ich »Feuerquell« und »Wirbelsturm« weder als Sciene Fiction- noch als Fantasy-Bücher ansehe. Allerdings war es bei »Feuerquell« das erste Mal, dass ich ein Buch mit solchen Elementen geschrieben habe. Trotz dieser Bestandteile sehe ich aber darin durch und durch realistische Romane, die sich um einige ganz ernste Fragen bezüglich der Entwicklung unserer globalen Umwelt drehen, und die vor allem jede Menge Spannung und Vergnügen bieten.
Manchmal denke ich, es ist eine irrige Annahme, dass ein Autor sich sein Buch auswählt. Ganz oft bei meiner Arbeit, zuletzt bei meinem Roman »Ihr kennt mich nicht!«, wählt die Hauptfigur mich aus, und dann befinde ich mich in der Hand dieser Person. Genauso war es bei »Feuerquell«, das ja der erste Band einer Trilogie ist. Ich hatte mir nicht in den Kopf gesetzt, einen Science Fiction- oder Fantasy-Roman zu schreiben. Aber ich habe die Stimme von Jack Danielson gehört; ein gewitzter, charmanter, sportlicher Junge, der darauf brennt, mir seine Geschichte zu erzählen. Und zugleich gab es da eine Geschichte, die ich erzählen wollte: über die Erde und über ihre Gefährdung. Dabei waren mir diese Elemente hilfreich. Man braucht eine Grundlage in »science«, wenn man sich die Zukunft unserer Erde vorstellen will. Und man braucht Fantasie, um dies in erzählerisch interessanter Form darzustellen.
Jack muss die Erde retten, bevor der »Wendepunkt« erreicht ist – also zu einem Zeitpunkt, da die Schäden an der Umwelt noch nicht irreversibel sind. Warum haben Sie sich für eine Trilogie zu diesem Thema entschieden? Oder schärfer gefragt: Warum haben Sie sich so ein gewaltiges Thema aufgeladen?
David Klass: Da kann ich eine sehr persönliche Antwort geben. Ich habe zwei kleine Kinder, einen fünf Jahre alten Sohn und eine drei Jahre alte Tochter. Und es ist keine Schwärmerei, wenn ich sage: Die beiden sind der Lichtblick in meinem Leben. Ich mache mir wirklich ganz ernste Sorgen, was für eine Welt wir den Kindern überlassen. Ich bin kein eingeschworener Umweltschützer, aber ich will Ihnen ein Beispiel erzählen: Mit meinem Vater bin ich immer zum Angeln gegangen, auf den Seen an der Ostküste und auf dem Meer. Es war herrlich, Dorsch zu fangen und diesen köstlichen Fisch zu essen. Neulich bin ich für ein Filmprojekt nach Neufundland gereist. Dort waren früher die größten Dorsch-Schwärme der Welt zu finden – jetzt gibt es schlicht keinen Dorsch mehr dort. Und an vielen Seen im Nordosten der USA stehen jetzt Tafeln, die vor dem Verzehr der Fische warnen.
Auf dieser ganz persönlichen Ebene habe ich angefangen nachzudenken: Wenn wir mit der ganzen Natur so umgehen, in welchem Zustand wird sie sein, wenn wir sie unseren Kindern übergeben? Und wie soll die Welt erst in 1.000 Jahren aussehen? Das brachte mich auf den unbehaglichen Gedanken: Werden unsere eigenen Kinder uns nicht Vorwürfe machen, und zukünftige Generationen erst recht? Könnten sie nicht sagen: »Ihr hattet die Erkenntnisse, die Fähigkeiten, die Gelegenheiten, um den Raubbau zu beenden. Warum habt ihr es dann nicht getan?«
Ich stellte mir auf einmal vor, sie könnten aus der Zukunft in die Gegenwart zurückkommen und uns zur Rede stellen. Das war die entscheidende Motivation, diesen Roman zu schreiben.
Was kann man denn für den Schutz der Umwelt tun, wenn man nicht über übermenschliche Kräfte wie Jack verfügt?
David Klass: Das Wichtige an meinen Romanen ist nicht das, was ich mir ausgedacht habe. Man sollte sich klar werden darüber, dass wir in der heutigen Wirklichkeit einen Konflikt haben zwischen den Leuten, die erkannt haben, dass unsere Zukunft gefährdet ist, und jenen anderen Menschen, Firmen und Staaten, die nur am Konsumieren und am Geldverdienen interessiert sind.
Es gibt verschiedene Ebenen, auf denen jeder etwas tun kann. Um beispielsweise etwas zum Schutz der Meere beizutragen, kann man darauf verzichten, bestimmte Dinge zu essen. Wer unbedingt Chilenischen Wolfsbarsch oder Patagonischen Zahnfisch essen möchte, sollte sich darüber klar werden, dass dies so gut wie ausgestorbene Fischarten sind. Vielleicht kommt er auf die Idee, dies nicht mehr zu kaufen und seinem Fischhändler zu sagen: »Sie haben so viele andere leckere Sachen; bitte nehmen Sie das aus dem Angebot. Ich kaufe es jedenfalls nicht mehr.« Das ist die persönliche Ebene, und das kann sehr wirksam werden, wenn es viele Leute tun.
Man kann weiter gehen, indem man Politiker anspricht; man kann Organisationen wie GREENPEACE unterstützen oder gar beitreten und Ocean Defender werden. Diese Organisation ist wirklich international an den Brennpunkten unterwegs, forscht und rüttelt die Menschen auf.
In »Feuerquell« und »Wirbelsturm« trifft die heutige Welt ja auf die Welt in tausend Jahren, und Sie mussten eine Zeitreise einbauen. Welche wissenschaftlichen Erkundigungen haben Sie dafür eingezogen?
David Klass: Diese Frage hat mich einige Nerven gekostet. Wenn man in Band 1 mal eben die Gesetze des Universums neu formuliert, muss man sehr aufpassen, dass man damit in Band 3 logisch fertig wird. Wer naiv daran geht, verrennt sich leicht. Alle Schriftsteller, die Zeitreisen in ihren Romanen vorkommen lassen, mussten das durchdenken. Selbst Albert Einstein hat sich darüber lange Zeit den Kopf zerbrochen.
Es gibt das berühmte »Großvater-Paradox«. Wenn du in der Zeit zurückreisen könntest und du würdest deinen Großvater umbringen, bevor er deine Großmutter kennengelernt hat, dann – entsteht ein unauflösbarer Widerspruch. Denn einerseits wärest du dann nicht geboren worden, aber andererseits musst du ja geboren worden sein, sonst hättest du deinen Großvater nicht töten können. Als ich das auf meinen Roman übertrug, wurde mir immer schwummriger.
Eine hilfreiche Kollegin beschaffte mir einen halbstündigen Telefontermin zum Thema Zeitreise mit einem Physik-Professor, der als Anwärter auf den Nobelpreis gilt. Bei meiner Arbeit in Hollywood habe ich oft mit Prominenten und Experten zu tun, und so etwas schreckt mich eigentlich nicht. Aber als der Termin mit diesem Gelehrten näher kam, der sechzig Bücher über hochknifflige Themen der theoretischen Physik geschrieben hat und an einer der besten Universitäten der USA lehrt, wurde ich immer nervöser.
Um mich abzulenken, fragte ich meinen 5-jährigen Sohn: »Gabriel, ich spreche nachher mit dem schlauesten Menschen der ganzen Welt. Was soll ich ihn fragen?« Gabriel antwortete ohne zu zögern: »Frag ihn, ob er unseren DVD-Player reparieren kann.«
Als ich das dem Professor erzählte, um einen lockeren Gesprächseinstieg hinzubekommen, lachte er nicht, er reagierte eigentlich gar nicht darauf, sondern sagte nur trocken: »Schildern Sie mir kurz Ihre Kenntnisse der Allgemeinen Relativitätstheorie und der Quantentheorie.« Da kam ich echt ins Schwitzen.
In beiden Büchern geht es um wirklich schwierige und beängstigende Themen. Wie kommt es, dass sie sich dennoch so leicht lesen? Hat das damit zu tun, dass Sie im zweiten Beruf als Drehbuchautor arbeiten?
David Klass: Das hoffe ich sehr. Ich habe die Drehbücher für fast fünfzig Filme geschrieben, für Jugendliche wie für Erwachsene. Daher weiß ich, wie man eine Verfolgungsjagd, einen Faustkampf oder eine romantische Begegnung inszeniert. Das wollte ich einsetzen, um meinen Roman für ein großes Publikum attraktiv zu machen.
Wie ein guter Hollywood-Film soll er aufgrund eines wichtigen und bewegenden Anliegens, mit einem sympathischen Hauptdarsteller und durch die richtige Mischung von »chills & thrills« fesseln.
Vielen Dank für das Gespräch.
Am 26. Januar 2009 um 14:33 Uhr
Sehr geehrte Damen und Herren,
meine Kinder warten mit Spannung auf den 3. Teil der Trilogie. Wurde er schon geschrieben und es fehlt lediglich die Übersetzung oder ist er noch gar nicht erschienen?
Mit freundlichen Grüßen
Gerti Lüchau
Am 17. Februar 2009 um 12:06 Uhr
Sehr geehrte Frau Lüchau,
vielen Dank für Ihre Anfrage. Der 3. Band wird voraussichtlich im August 2009 im Boje Verlag erscheinen.
Mit freundlichen Grüßen,
der Boje Verlag